Die Schultern verspannen sich am Schreibtisch vor allem, weil die Haltung über lange Zeit gleich bleibt und die Muskulatur kaum wechselt. Ohne ausreichende Bewegung bleibt die Schultermuskulatur häufig leicht angespannt. Dazu kommen Tastatur- und Mausarbeit mit angehobenen Schultern sowie Stress, der sich häufig im oberen Trapezius zeigt.
Warum verspannen die Schultern im Büro?
Die Ursachen lassen sich in drei Bereiche gliedern.
Statische Haltung und fehlende Bewegung
Wer über Stunden nahezu in derselben Position sitzt, belastet dieselben Muskeln ohne Wechsel. Statische Haltung bedeutet, dass die Schultermuskulatur ständig leicht angespannt bleibt, um den Oberkörper zu stabilisieren. Viele Menschen empfinden das als Ziehen oder Druck im Nacken- und Schulterbereich. Besonders betroffen ist, wer den Oberkörper nach vorn sinken lässt, sodass Schultern und Kopf aus der Körpermitte rutschen.
Tastatur- und Mausarbeit mit angehobenen Schultern
Beim Schreiben und Klicken schweben die Arme häufig frei in der Luft, wenn Tischhöhe oder Armauflage nicht passen oder das Gerät zu weit entfernt steht. Die Schultern heben sich dann oft unbewusst an, um den Unterarm zu tragen. Angehobene Schultern halten die Muskulatur dauerhaft in Spannung, auch wenn die Tätigkeit selbst wenig Kraft erfordert. Wird die Maus seitlich und weit vom Körper entfernt bedient, verstärkt sich dieser Effekt.
Stressbedingte Muskelanspannung im oberen Trapezius
Unter Termindruck oder bei konzentrierter Arbeit ziehen viele Menschen die Schultern ohne Absicht Richtung Ohren. Der obere Trapezius, der vom Nacken zur Schulter verläuft, ist bei Stress häufig beteiligt, wenn die Schultern Richtung Ohren gezogen werden. Diese Anspannung fällt während der Arbeit oft kaum auf und wird erst bemerkt, wenn man kurz innehält. Sie kommt zur Belastung durch Haltung und Eingabegeräte hinzu, sodass sich die drei Ursachen in der Praxis überlagern.

Schulterkreisen im Sitzen
Beim Schulterkreisen im Sitzen kreisen Sie beide Schultern locker nach hinten, erst gemeinsam, dann im Wechsel. Die Bewegung lässt sich direkt auf dem Bürostuhl ausführen, ohne Hilfsmittel und ohne den Arbeitsplatz zu verlassen.
Ablauf in zwei Phasen
Gemeinsame Bewegung: Sitzen Sie aufrecht, die Füße stehen flach auf dem Boden und die Arme hängen locker an den Seiten. Kreisen Sie beide Schultern gleichzeitig nach hinten, in einem ruhigen, gleichmäßigen Bogen. Der Nacken bleibt dabei entspannt und der Kopf ruht in der Verlängerung der Wirbelsäule.
Wechselbewegung: Führen Sie danach die Schultern abwechselnd aus, also zuerst die eine, dann die andere. So wird der Bewegungsablauf bewusster wahrgenommen, und Sie erkennen, ob eine Seite stärker verspannt ist oder sich schwerer bewegen lässt.
Der obere Rücken als Teil der Bewegung
Lassen Sie den oberen Rücken aktiv mitbewegen. Beim Kreisen gleiten die Schulterblätter nach hinten und der Brustkorb öffnet sich leicht. Kreisen Sie nicht nur aus den Schultergelenken, sondern bewegen Sie den oberen Rücken mit. Achten Sie deshalb darauf, dass die Bewegung bis in den Bereich zwischen den Schulterblättern spürbar wird.
| Phase | Bewegung | Worauf Sie achten |
|---|---|---|
| Gemeinsam | Beide Schultern gleichzeitig nach hinten kreisen | Gleichmäßiger, lockerer Bogen |
| Im Wechsel | Schultern abwechselnd kreisen | Gleicher Rhythmus auf beiden Seiten |
| Oberer Rücken | Schulterblätter und oberen Rücken mitbewegen | Bewegung bis zwischen den Schulterblättern spürbar |
Schultern hochziehen und fallen lassen
Im Sitzen lassen sich die Schultern lockern, indem Sie beide Schultern zu den Ohren hochziehen und sie mit dem Ausatmen fallen lassen. Laut dr-gumpert.de schult diese Abfolge die Wahrnehmung für entspannte Schultern bei der Arbeit.
Ablauf der Bewegung
| Phase | Bewegung | Worauf Sie achten |
|---|---|---|
| Einatmen | Beide Schultern gleichzeitig Richtung Ohren ziehen | Der Nacken bleibt lang und wird nicht nach vorn geschoben |
| Halten | Die hochgezogene Position kurz halten | Die Spannung in Nacken und Schultern bewusst wahrnehmen |
| Ausatmen | Die Schultern bewusst fallen lassen | Nicht aktiv nach unten drücken, sondern das Gewicht abgeben lassen |
Anspannung und Entspannung unterscheiden
Der eigentliche Nutzen liegt im Vergleich. Im hochgezogenen Zustand nehmen Sie den Zug im Bereich von Nacken und oberen Schultern wahr. Nach dem Ausatmen sollte dieser Zug nachlassen. Diesen Unterschied bewusst zu spüren, ist das Ziel der Übung, denn die geschulte Wahrnehmung hilft, hochgezogene Schultern im Arbeitsalltag früher zu bemerken.
Wiederholen Sie die Übung mehrmals, besonders nach längeren Phasen am Bildschirm.
Diagonal-Dehnung für Arme und Schultern
Die Diagonal-Dehnung verbindet das Strecken beider Arme mit einer gegenläufigen Bewegung. Sie wird im Sitzen am Schreibtisch ausgeführt und dehnt Arme und Schultern entlang einer schrägen Linie, die beim einfachen Vorstrecken kaum erreicht wird.
Der Ablauf im Überblick:
| Schritt | Armposition | Blickrichtung |
|---|---|---|
| 1 | Beide Arme waagerecht nach vorn strecken | Nach vorn |
| 2 | Ein Arm geht schräg nach oben, der andere gleichzeitig schräg nach unten | Folgt der oberen Hand |
| 3 | Diagonale kurz halten | Bleibt auf der oberen Hand |
| 4 | Seitenwechsel: Die Arme tauschen Richtung und Position | Folgt der neuen oberen Hand |
Die Übung wird mehrmals wiederholt.
Der Blick ist dabei kein Beiwerk. Er folgt der oberen Hand und bestimmt damit die Richtung der Bewegung. So bleibt der Fokus auf der Diagonale, statt in eine ungeordnete Armkreisbewegung überzugehen.
Die Diagonal-Dehnung eignet sich als kurze Unterbrechung zwischen längeren Arbeitsphasen am Bildschirm, weil sie sich ohne Aufstehen ausführen lässt.

Handflächen pressen gegen Rundrücken
Diese Übung wirkt unbewusst hochgezogenen Schultern entgegen. Im Büroalltag geschieht das häufig, etwa bei konzentrierter Arbeit am Bildschirm oder beim Tippen, wenn sich die Schultern nach oben schieben, ohne dass Sie es bemerken. Wie oft Sie sie wiederholen, richtet sich nach Ihrem Bedarf.
So gehen Sie vor:
- Legen Sie die Handflächen vor der Brust aneinander.
- Pressen Sie die Handflächen fest gegeneinander, ohne die Schultern anzuheben.
- Ziehen Sie dabei die Schulterblattspitzen nach unten, als würden Sie sie in Richtung Gesäß führen.
- Halten Sie die Spannung kurz und lösen Sie sie danach bewusst.
Achten Sie darauf, dass die Bewegung aus den Schulterblättern kommt und nicht aus den Armen. Die Arme bleiben ruhig, während die Handflächen gegeneinander drücken.
Diese Übung ist eine Ergänzung zu einer aufrechten Sitzhaltung, ersetzt diese aber nicht. Wenn Sie beim Pressen Schmerzen verspüren, brechen Sie die Übung ab.
Wie oft sollte man die Übungen machen?
Für die Häufigkeit gibt es hier keinen belegten festen Zeitplan. Die folgenden Hinweise beschreiben deshalb das Prinzip der Verteilung. Entscheidend ist, dass die Übungen regelmäßig und verteilt über den Arbeitstag erfolgen, statt einmal lang am Stück.
Kurze Einheiten statt seltener langer Pausen
Die Lockerungsübungen im Sitzen eignen sich für kurze Einheiten, die direkt am Schreibtisch passieren. Kurze Einheiten über den Tag verteilt unterbrechen die gleichbleibende Haltung früher als eine einzelne lange Einheit. Kurze Sequenzen zwischendurch unterbrechen die einseitige Haltung früher.
Praktisch bedeutet das, eine Übung zwischen zwei Aufgaben einzuschieben, etwa:
- Schulterheben und Fallenlassen beim Wechsel zwischen zwei Dokumenten
- Schulterkreisen nach einem längeren Telefonat
- Handflächen gegeneinanderpressen kurz vor dem Start einer konzentrierten Aufgabe
Auch einzelne Wiederholungen zwischendurch sind möglich.
Anpassung an Bildschirmzeit und Arbeitsrhythmus
Der passende Rhythmus richtet sich nach der Dauer der Bildschirmarbeit. Wer viele Stunden am Stück am Computer sitzt, sollte die Übungen häufiger einplanen als jemand mit vielen Unterbrechungen im Tagesverlauf. Ein sinnvoller Anhaltspunkt sind Momente, in denen die Schultern ohnehin nach vorn sinken, etwa bei langer Tastatureingabe oder konzentrierter Lektüre.
Auch der eigene Arbeitsrhythmus spielt eine Rolle. Wer feste Übergänge hat, etwa den Wechsel von Meetings zu Schreibaufgaben, kann die Übungen daran koppeln. Das erleichtert die Gewohnheit, weil die Übung nicht zusätzlich geplant werden muss.
Wann reichen Übungen nicht mehr aus?
Lockerungsübungen im Sitzen helfen, Verspannungen im Moment zu lösen. Wenn Beschwerden trotz regelmäßiger Lockerung bestehen bleiben oder sich verstärken, sollten Sie die Übungen nicht als einzige Maßnahme betrachten.
Warnsignale, bei denen Sie ärztlichen Rat einholen sollten
- Anhaltende Schmerzen in Schulter oder Nacken, die trotz regelmäßiger Lockerung nicht nachlassen oder immer wiederkehren
- Taubheitsgefühle oder Kribbeln in Arm, Hand oder Fingern
- Ausstrahlung von Schmerzen in den Arm
Diese Symptome lassen sich mit Dehnübungen allein nicht zuverlässig beurteilen. Deshalb sollten Sie sie ärztlich prüfen lassen.
Wann Hausarzt oder Physiotherapeut aufsuchen
Den Hausarzt kontaktieren Sie, wenn die Beschwerden anhalten oder eines der genannten Warnsignale auftritt. Er kann die Ursache abklären und bei Bedarf an eine Fachstelle überweisen. Ein Physiotherapeut ist der passende Ansprechpartner, wenn Sie gezielte Bewegungsanleitung für die Schultern wünschen oder unsicher sind, ob Ihre Ausführung korrekt ist.
Um den Termin vorzubereiten, notieren Sie, wann die Beschwerden auftreten, welche Tätigkeiten sie auslösen und ob sie in den Arm ausstrahlen. Diese Angaben helfen der Fachperson bei der Einordnung.
Häufig gestellte Fragen
Woran erkenne ich, ob ich die Schultern beim Lockern richtig bewege?
Ziehen Sie beide Schultern bis zu den Ohren hoch und lassen Sie sie beim Ausatmen bewusst fallen. So schulen Sie Ihre Körperwahrnehmung für den Unterschied zwischen angespannten und entspannten Schultern.
Kann ich die Schulterübungen auch im Sitzen am Arbeitsplatz machen?
Ja, alle hier genannten Übungen lassen sich auf dem Stuhl ausführen, ohne den Arbeitsplatz zu verlassen. Bei der Diagonal-Übung strecken Sie die Arme waagerecht nach vorn und halten die Diagonale kurz, bevor Sie die Seite wechseln.
Was hilft gegen unbewusst hochgezogene Schultern während der Arbeit?
Pressen Sie die Handflächen vor der Brust fest gegeneinander und ziehen Sie dabei die Schulterblattspitzen nach unten. Diese Gegenspannung wirkt den hochgezogenen Schultern unbewusst entgegen.