Eine korrekte Sitzhaltung am Homeoffice-Schreibtisch lässt sich über zwei Gelenkwinkel und die Gewichtsverteilung bestimmen. Der Kniewinkel liegt zwischen 90 und 95 Grad, der Ellbogenwinkel bei etwa 90 Grad oder etwas mehr. Das Körpergewicht verteilt sich gleichmäßig auf beide Sitzknochen, also die knöchernen Punkte unter dem Becken, und nicht auf eine Seite oder nach vorne auf die Oberschenkel.
Wie sitzt man im Homeoffice richtig?
Die Sitzposition lässt sich mit wenigen Handgriffen grob prüfen. Die Winkel lassen sich grob durch Ansehen und kurzes Nachspüren einschätzen; Tischhöhe und Monitorabstand sollten Sie nachmessen.
Kniewinkel prüfen
Der Kniewinkel ist der Winkel zwischen Oberschenkel und Unterschenkel. Setzen Sie sich aufrecht hin und schätzen Sie, ob der Winkel zwischen Ober- und Unterschenkel etwa 90 bis 95 Grad beträgt. Ist der Winkel deutlich kleiner oder größer, liegt er außerhalb des Zielbereichs; prüfen Sie dann Sitzhöhe und Fußauflage.
Ellbogenwinkel prüfen
Der Ellbogenwinkel liegt zwischen Oberarm und Unterarm. Lassen Sie die Schultern locker hängen. Die Ellbogen sollten dann nah am Körper sein und die Unterarme in Richtung Tastatur zeigen. Hochgezogene Schultern oder stark abgespreizte Ellbogen zeigen, dass der Arm nicht entspannt aufliegt.
Gewicht auf beide Sitzknochen verteilen
Das Körpergewicht sollte gleichmäßig auf beide Sitzknochen wirken. Setzen Sie sich aufrecht hin und verlagern Sie Ihr Gewicht kurz nach links und rechts. Spüren Sie, dass beide Seiten des Beckens etwa gleich tragen, ist die Verteilung ausgewogen. Typisch für eine ungleiche Belastung sind Sitzpositionen mit einem Bein unter dem Gesäß oder einem seitlich angelehnten Oberkörper.
| Gelenk | Zielwert laut Faktenblatt | Worauf Sie achten |
|---|---|---|
| Knie (Ober- zu Unterschenkel) | etwa 90 bis 95 Grad | Knie etwa auf Höhe des Beckens, Füße tragen sicher |
| Ellbogen (Ober- zu Unterarm) | etwa 90 Grad oder etwas mehr | Schultern locker, Ellbogen liegen am Körper an |
Die Hüfte sollte im Sitzen nicht stark eingeknickt sein. Ein deutlich gebeugter Hüftwinkel drückt die Oberschenkel gegen die Sitzfläche und führt häufig zu einem nach vorne geneigten Oberkörper. Achten Sie darauf, dass Kniewinkel, Hüftstellung und Oberkörper zusammen eine aufrechte Haltung ergeben, ohne dass Sie dafür bewusst Spannung aufbauen müssen.

Stuhl und Sitzhöhe einstellen
Die Sitzhöhe bestimmt, wie gleichmäßig Ihr Körpergewicht verteilt wird und wie stark Beine und Rücken belastet werden. Stellen Sie den Stuhl so ein, dass er zu Ihrer Körpergröße passt. Eine sinnvolle Reihenfolge ist: zuerst die Sitzhöhe, dann die Lehne, zuletzt die Fußstütze.
| Schritt | Vorgehen | Prüfung |
|---|---|---|
| 1. Sitzhöhe | Sitzfläche so anheben oder absenken, dass beide Füße flach auf dem Boden stehen | Weder Ferse noch Fußspitze hebt sich ab |
| 2. Lordosenstütze | Wölbung der Rückenlehne im Bereich der Lendenwirbel platzieren | Der Rücken liegt am unteren Teil der Lehne an, ohne dass Sie sich nach vorne schieben müssen |
| 3. Fußstütze | Nur einsetzen, wenn die Füße auch in der tiefsten Sitzstellung nicht flach aufliegen | Die Ober- und Unterschenkel bleiben entspannt, die Füße ruhen vollständig auf der Stütze |
Laut AOK gilt eine Lordosenstütze in der Rückenlehne als ideal. Sie unterstützt die natürliche Krümmung der Lendenwirbelsäule. Ist die Lehne höhenverstellbar, stellen Sie die Stütze so ein, dass sie sich an dieser Stelle befindet. Prüfen Sie danach, ob Sie aufrecht sitzen, ohne den Rücken anspannen zu müssen.
Laut AOK kann eine Fußstütze helfen. Sie ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Füße trotz niedrigster Sitzhöhe nicht flach auf dem Boden aufliegen, etwa bei einem hohen Schreibtisch.
Kontrollieren Sie die Einstellungen zu Beginn eines Arbeitstages. Setzen Sie sich einmal bewusst hin und prüfen Sie Schritt für Schritt Fußkontakt, Lendenstütze und Fußablage.
Welche Schreibtischhöhe passt?
Für sitzende Tätigkeit empfiehlt die AOK eine Tischhöhe von 74 cm mit einer Toleranz von ±2 cm, also einen Bereich von 72 bis 76 cm. Dieser Wert ist kein Maß, das für alle gleich gilt. Die Tischhöhe soll zum Bürostuhl passen, weshalb Tisch und Stuhl gemeinsam eingestellt werden sollten.
| Maß | Empfehlung (AOK) |
|---|---|
| Tischhöhe bei sitzender Tätigkeit | 74 cm (±2 cm) |
| Optimale Tischfläche | 160 x 80 cm |
| Mindestfläche | 80 x 60 cm |
Tischhöhe auf den Stuhl abstimmen
Stellen Sie zuerst den Stuhl ein. Setzen Sie sich und passen Sie die Sitzhöhe so an, dass Ober- und Unterarme beim Arbeiten etwa 90 Grad oder etwas mehr bilden. Prüfen Sie danach, ob die Tischhöhe im Bereich von 72 bis 76 cm liegt.
Liegt der Tisch außerhalb dieses Bereichs, kann die Abstimmung über den Stuhl schwerer gelingen. In diesem Fall ist ein höhenverstellbarer Tisch sinnvoll, den Sie passend zum Stuhl im Bereich von 72 bis 76 cm einstellen können. Stellen Sie die Höhe immer bei der Sitzposition ein, die Sie tatsächlich am Schreibtisch verwenden.
Tischfläche planen
Die AOK nennt eine optimale Tischfläche von 160 x 80 cm. Als Mindestmaß gilt 80 x 60 cm. Ein Tisch mit weniger als 80 x 60 cm liegt unterhalb der genannten Empfehlung.
Die Fläche sollte Platz für alle Arbeitsmittel bieten, die Sie gleichzeitig benötigen. Messen Sie vor dem Kauf oder Umbau die verfügbare Stellfläche aus und vergleichen Sie sie mit den Richtwerten. Wenn der Raum das Optimum nicht zulässt, halten Sie mindestens das Minimum von 80 x 60 cm ein.
Bildschirm und Laptop richtig positionieren
Die Ausrichtung des Bildschirms bestimmt, wie stark Sie Kopf und Nacken beugen. Die AOK nennt dafür zwei Vorgaben: den Augenabstand zum Monitor und die Lage der Bildschirmoberkante.
| Kriterium | Vorgabe (AOK, 2026-01-30) |
|---|---|
| Abstand Augen–Monitor | 50 bis 70 cm |
| Oberkante des Bildschirms | leicht unterhalb der Augenhöhe |
Stellen Sie den Monitor in 50 bis 70 cm Abstand auf, sodass Sie ihn lesen können, ohne den Kopf nach vorn zu schieben. Messen Sie den Abstand vom Auge zum Monitor. Liegt die Oberkante auf oder über Augenhöhe, müssen Sie den Kopf beim Lesen anheben, was die Halswirbelsäule stärker belastet. Der Monitor sollte deshalb etwas tiefer stehen als Ihre Augen.
Laptop-Nutzung mit externer Tastatur und Maus
Ein Laptop hat Bildschirm und Tastatur in einem festen Winkel verbunden. Das erzwingt entweder eine stark gebeugte Kopfhaltung oder eine ungünstige Armhaltung. Um beides zu vermeiden, können Sie den Laptop anheben und ihn mit separaten Eingabegeräten kombinieren:
- Laptop erhöhen: Stellen Sie das Gerät auf einen stabilen Ständer oder eine geeignete Unterlage, bis die Oberkante des Bildschirms der oben genannten Vorgabe entspricht.
- Externe Tastatur vorn platzieren: Positionieren Sie die Tastatur direkt vor dem Körper, sodass Sie sie ohne Vorbeugen erreichen. Ein separates Eingabegerät ist sinnvoll, da die Laptop-Tastatur nach dem Anheben meist ungünstig hoch liegt.
- Maus neben der Tastatur: Legen Sie die Maus auf gleicher Höhe und nah am Körper ab, damit Sie den Arm nicht ausstrecken müssen.
Die AOK-Angaben zu Bildschirmabstand und Oberkante gelten unabhängig vom Gerätetyp. Mit separaten Eingabegeräten lassen sie sich beim Laptop leichter einhalten.

Wie oft sollte man die Haltung wechseln?
Eine DGUV-Studie zeigt, dass Beschäftigte im Homeoffice länger sitzen und sich weniger bewegen als im Büro. Daraus folgt die Empfehlung, die Haltung häufig zu wechseln, statt über den gesamten Arbeitstag in einer Position zu verharren. Eine feste Anzahl an Wechseln pro Stunde gibt es nicht. Ein sinnvoller Rhythmus richtet sich deshalb nach dem eigenen Arbeitsalltag: Wer nach einer langen Schreib- oder Telefonphase steife Schultern oder nachlassende Konzentration bemerkt, sollte die Position ändern, ohne bis zum nächsten festen Termin zu warten.
Zwischendurch im Stehen arbeiten
Die Empfehlung umfasst auch, zwischendurch im Stehen zu arbeiten. Dafür eignet sich ein höhenverstellbarer Tisch, mit dem Sie ohne Umbau zwischen Sitz- und Stehposition wechseln können. So gehen Sie vor:
- Tisch in Stehhöhe fahren, bevor Sie aufstehen.
- Aufgaben auswählen, die sich im Stehen gut erledigen lassen, etwa Telefonate, Durchsicht von Dokumenten oder kurze Abstimmungen.
- Nach der Stehphase wieder in die Sitzposition wechseln und die Höhe des Tisches anpassen.
Höhenverstellbare Tische gezielt nutzen
Ein Tisch, der sich nur selten verstellen lässt, schafft kaum Anlass zum Wechsel. Deshalb lohnt es sich, die Verstellung in den Arbeitsablauf einzubauen, etwa beim Start in den Tag oder vor Besprechungen.
Kleine Übungen für zwischendurch
Kurze Mobilisationsübungen können Schultern und Nacken lockern und lassen sich meist ohne lange Unterbrechung der Arbeit einbauen. Die Bewegungen eignen sich für den Moment zwischen zwei Aufgaben, etwa während eines Ladebalkens oder beim Warten auf einen Rückruf. Für eine Bewegungspause gibt es keine feste Dauer oder Anzahl, orientieren Sie sich daher an Ihrem Empfinden. Die Übungen sind bewusst einfach gehalten und benötigen keine Geräte.
Eine DGUV-Studie, die die AOK nur am Rande nennt, zeigt, dass Beschäftigte im Homeoffice länger sitzen und sich weniger bewegen als im Büro. Genau hier setzen kurze Lockerungsübungen an: Sie bringen Bewegung in Muskelgruppen, die über den Tag verspannen, ohne dass Sie den Arbeitsplatz verlassen.
Schulterkreisen
Setzen Sie sich aufrecht hin, die Arme hängen locker an den Seiten. Heben Sie die Schultern langsam Richtung Ohren, führen Sie sie nach hinten und lassen Sie sie anschließend wieder nach unten sinken. Danach kreisen Sie in die entgegengesetzte Richtung. Wichtig ist, dass die Bewegung rund und gleichmäßig verläuft und die Schultern nicht ruckartig hochgerissen werden.
Schulterblätter zusammenziehen
Führen Sie die Schulterblätter leicht zur Wirbelsäule, als würden Sie sie in die Gesäßtaschen schieben wollen. Halten Sie die Position kurz, ohne die Atmung anzuhalten, und lösen Sie die Spannung wieder langsam. Diese Übung aktiviert die Muskulatur zwischen den Schulterblättern.
Seitliche Nackenneigung
Neigen Sie den Kopf langsam zur rechten Schulter, bis Sie einen Zug auf der linken Halsseite spüren. Verharren Sie kurz in dieser Position und richten Sie den Kopf anschließend wieder auf. Danach wiederholen Sie die Bewegung zur linken Seite. Der Blick bleibt dabei nach vorn gerichtet, der Kopf wird nicht nach vorn oder hinten geneigt. Die Bewegung sollte langsam und kontrolliert erfolgen, damit die Halswirbelsäule nicht unter Druck gerät.
Brustdehnung am Türrahmen oder Stuhl
Stellen Sie sich in einen Türrahmen und legen Sie beide Unterarme auf den Rahmen, die Ellbogen etwa auf Schulterhöhe. Treten Sie mit einem Fuß leicht nach vorn und schieben Sie den Oberkörper behutsam nach vorn, bis Sie die Dehnung in der Brust spüren. Alternativ können Sie sich auf dem Stuhl aufrecht setzen, die Hände hinter dem Rücken verschränken und die Schultern nach hinten und unten führen. Die Dehnung soll spürbar, aber nicht schmerzhaft sein.
Typische Fehler im Homeoffice vermeiden
Fehlhaltungen entstehen im Homeoffice oft dort, wo kein eingerichteter Arbeitsplatz vorhanden ist. Drei Situationen kommen besonders häufig vor: der Laptop auf dem Sofa oder im Bett, das Arbeiten am Smartphone mit vorgeneigtem Kopf und der Küchenstuhl ohne Rückenlehne als dauerhafter Arbeitsplatz.
Laptop auf dem Sofa oder im Bett
Wer den Laptop auf dem Schoß oder auf einem Kissen nutzt, hat meist keine feste Unterlage und keine definierte Höhe. Auf dem Sofa lässt sich der Kniewinkel von 90 bis 95 Grad oft nur schwer einhalten. Liegt die Tastatur auf dem Schoß, können die Handgelenke abknicken. Ohne Abstützung kann der Rücken nachgeben.
Smartphone-Arbeit mit vorgeneigtem Kopf
Beim Schreiben oder Lesen auf dem Smartphone neigt sich der Kopf meist nach vorn, oft über längere Zeit. Dadurch verlagert sich die Belastung auf Nacken und obere Schultermuskulatur. Diese Haltung entsteht besonders leicht im Liegen oder auf dem Sofa, weil der Blick dabei nach unten gerichtet ist. Wird das Gerät auf eine stabile Unterlage gestellt, muss der Blick weniger gesenkt werden. Für längere Arbeitsphasen sind ein externer Bildschirm und eine Tastatur am Tisch besser geeignet.
Küchenstuhl ohne Rückenlehne als Dauerarbeitsplatz
Ein Stuhl ohne Rückenlehne bietet keine Lordosenstütze. Diese gilt laut AOK als ideale Stütze in der Rückenlehne, weil sie die natürliche Krümmung der Lendenwirbelsäule unterstützt. Ohne diese Stütze fehlt dem unteren Rücken eine Abstützung. Außerdem muss die Tischhöhe zum Stuhl passen. Die AOK nennt für sitzende Tätigkeit eine Tischhöhe von 74 cm (±2 cm). Prüfen Sie daher, ob Tisch und Sitzfläche zusammenpassen, bevor Sie den Küchenstuhl dauerhaft nutzen.
Häufig gestellte Fragen
Welcher Kniewinkel ist beim Sitzen am Schreibtisch richtig?
Laut AOK bilden Ober- und Unterschenkel einen Kniewinkel von etwa 90 bis 95 Grad. Schätzen Sie diesen Winkel im aufrechten Sitzen grob ein. Weicht er deutlich davon ab, prüfen Sie zuerst die Sitzhöhe und die Fußauflage.
Wann ist eine Fußstütze sinnvoll?
Laut AOK kann eine Fußstütze helfen, die Unterschenkel passend zum Oberschenkel auszurichten. Sie ist vor allem dann eine Option, wenn die Füße auch bei niedrigster Sitzhöhe nicht flach auf dem Boden aufliegen.
Reicht eine gute Sitzhaltung für einen ganzen Arbeitstag?
Nein, denn laut DGUV-Studie sitzen Beschäftigte im Homeoffice länger und bewegen sich weniger als im Büro. Die AOK nennt diese Studie nur am Rande, empfiehlt aber, die Haltung häufig zu wechseln, zwischendurch im Stehen zu arbeiten und höhenverstellbare Tische zu nutzen.