Ein Schreibtischaufsatz für stehendes Arbeiten eignet sich für bestehende Arbeitsplätze vor allem dann, wenn Sie den Großteil des Tages sitzen und den Wechsel zwischen Sitzen und Stehen ohne neuen Schreibtisch ermöglichen möchten. Nach ASR A6 (Abschnitt 6.3.9) soll ein Bildschirmarbeitsplatz vorzugsweise als Sitz- oder Sitz-Steh-Arbeitsplatz eingerichtet werden. Laut Haufe (Autorin: Dipl.-Ing. Cornelia von Quistorp) wird dafür eine höhenverstellbare Arbeitsfläche empfohlen.
Warum Stehen am Schreibtisch nachrüsten?
Dauersitzen belastet Rücken und Nacken vor allem dann, wenn die Haltung über Stunden gleich bleibt. Viele bestehende Büroarbeitsplätze sind auf ein durchgehendes Sitzen ausgelegt: feste Tischhöhe, Bildschirm auf Augenhöhe einer sitzenden Person, Tastatur im Ellenbogenbereich. Ein Schreibtischaufsatz ergänzt einen solchen Platz, ohne den vorhandenen Tisch ersetzen zu müssen.
Der zentrale Nutzen liegt im Haltungswechsel. Wer zwischen Sitzen und Stehen wechselt, verteilt die Belastung auf andere Muskelgruppen und unterbricht längere Phasen starrer Haltung. Wie stark sich dieser Effekt auf Kreislauf und Muskulatur auswirkt, hängt von Dauer und Häufigkeit der Wechsel ab; eine feste Größenordnung lässt sich aus der Faktenlage nicht ableiten.

Welche Arten von Schreibtischaufsätzen gibt es?
Ein Schreibtischaufsatz wird auf die vorhandene Tischplatte gesetzt und hebt Bildschirm und Eingabegeräte an, sodass Sie im Stehen arbeiten können. Die Bauformen unterscheiden sich in der Anzahl der Arbeitsebenen und in der Art, wie die Höhe verstellt wird.
Einplatten- und Zweiplatten-Aufsätze im Vergleich
| Bauform | Aufbau | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Einplatten-Aufsatz | Eine Arbeitsfläche trägt Bildschirm und Tastatur gemeinsam. | Ein kompakter Arbeitsplatz mit einem Bildschirm und wenig Ablagefläche. |
| Zweiplatten-Aufsatz | Zwei Ebenen: oben der Bildschirm, unten Tastatur und Maus. | Arbeitsplätze, an denen die Originalplatte für Unterlagen, Papier oder Notizen frei bleiben soll. |
Beim Einplatten-Aufsatz dient die darunterliegende Tischplatte nur noch als Standfläche. Beim Zweiplatten-Aufsatz bleibt sie nutzbar, sodass Sie Unterlagen auf dem Originaltisch ablegen können.
Funktionsprinzip der Mechanik
- Gasdruckfeder: Ein Gaszylinder unterstützt die Hubbewegung. Sie lösen die Arretierung, bewegen die Fläche und fixieren sie wieder. Die Feder gleicht das Gewicht der Last teilweise aus.
- Hebelmechanik: Gelenke oder Scherenhebel übertragen die Bewegung. Der Hub erfolgt manuell, die Geometrie der Gelenke hält die Fläche in der gewählten Position.
Die beiden Mechaniken unterscheiden sich im Aufbau: Die Gasdruckfeder unterstützt die Hubbewegung mit einem Gaszylinder, die Hebelmechanik kommt ohne Gaszylinder aus. Vergleichen Sie die Herstellerangaben zu Bedienung und Tragkraft.
Aufsätze mit Monitor- und Tastaturträger
Viele Modelle trennen die Aufnahme für den Bildschirm von der für die Tastatur. Der Monitorträger sitzt auf der oberen Ebene und sollte so ausgerichtet werden, dass die Oberkante des Bildschirms auf Augenhöhe liegt. Der Tastaturträger ist häufig ausziehbar oder schwenkbar, damit Sie Ellbogen und Handgelenke in einer lockeren Position halten können.
Tischtiefe und Ablagefläche
Worauf achten beim Kauf?
Vor dem Kauf prüfen Sie drei Punkte: die Belastbarkeit der Arbeitsfläche, die Standsicherheit im höchsten Stand und die Maße von Aufsatz und Tischplatte. Für alle drei sollten Sie die Angaben des Herstellers mit Ihrer tatsächlichen Ausstattung abgleichen.
| Prüfkriterium | Vorgehen |
|---|---|
| Tragkraft | Die Herstellerangabe zur zulässigen Belastung der Arbeitsfläche mit der tatsächlichen Last vergleichen. Dazu zählen Monitore, Laptop, Dockingstation, Halterungen und Zubehör. |
| Stabilität bei Vollauszug | Den Aufsatz im höchsten Stand belasten und beim Tippen und Schreiben prüfen, ob die Platte wackelt. Das Eigengewicht des Aufsatzes gehört ebenfalls zur Bewertung. |
| Abmessungen der Arbeitsfläche | Breite und Tiefe so wählen, dass Monitore im passenden Abstand stehen und Tastatur und Maus gleichzeitig Platz finden. |
| Abmessungen der Tischplatte | Die Auflagefläche des Aufsatzes auf Ihrer Tischplatte ausmessen. Überstand und Abstand zur Wand prüfen. |
Beim Abgleich der Tragkraft addieren Sie alle Lasten auf dem Aufsatz. Die Summe muss unterhalb der Herstellerangabe liegen. Bei der Stabilität bei Vollauszug zählt die Praxisprobe, nicht die Angabe auf dem Datenblatt allein.
Wie hoch muss der Aufsatz sein?
Die passende Höhe ergibt sich aus drei Messpunkten: der Ellbogenhöhe im Stehen, dem Abstand zwischen Tischplatte und Tastaturebene und der Monitor-Oberkante auf Augenhöhe. Entscheidend ist die Summe aus Tischhöhe und Aufsatzhöhe, nicht die Höhe des Aufsatzes allein.
Messen Sie zuerst die Ellbogenhöhe im aufrechten Stand. Stellen Sie sich vor die Tastatur, lassen Sie die Arme locker hängen und beugen Sie die Ellbogen, bis die Unterarme waagerecht zur Tastatur zeigen. Der Abstand vom Boden bis zur Unterkante des Ellbogens ist die Zielhöhe für die Tastaturebene.
Die Differenz zwischen dieser Zielhöhe und der aktuellen Tischplatte ergibt die benötigte Aufsatzhöhe für die Tastatur. Liegt die Tastatur auf dem Aufsatz, muss der Abstand zur Tischplatte exakt dieser Differenz entsprechen. Ist ein Aufsatz nur für den Bildschirm gedacht, gilt die Messung der Monitor-Oberkante.
| Messpunkt | Vorgehen | Auswirkung auf die Aufsatzhöhe |
|---|---|---|
| Ellbogenhöhe im Stehen | Arme hängen lassen, Ellbogen gebeugt, Abstand Boden bis Ellbogen messen | Legt die Zielhöhe der Tastaturebene fest |
| Tischplatte bis Tastaturebene | Differenz zwischen Tischplatte und Zielhöhe bilden | Ergibt die nötige Aufsatzhöhe für die Tastatur |
| Monitor-Oberkante | Blick geradeaus, Oberkante auf Augenhöhe einstellen | Bestimmt die Höhe der Bildschirmauflage |
Der Bildschirm sollte so hoch stehen, dass Sie den oberen Rand ohne Kopfneigung nach hinten erfassen. Liegt die Oberkante zu hoch, entsteht eine Überstreckung im Nacken. Liegt sie zu tief, neigen Sie den Kopf nach vorn. Wenn Tastatur- und Bildschirmhöhe nicht gleichzeitig passen, ist ein Aufsatz mit zwei Ebenen sinnvoll, bei dem Tastatur und Monitor getrennt eingestellt werden können.
Was sagen ASR A6 und ArbStättV?
Die ASR A6 regelt die Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen.
Für die Höhe nennt die ASR A6 eine klare Rangfolge. Stufenlos verstellbare Flächen von 650 bis 1250 mm sind gegenüber stufig verstellbaren oder festen Höhen zu bevorzugen.
| Verstellungsart | Bewertung nach ASR A6, Abschnitt 6.3.9 |
|---|---|
| Stufenlos, 650 bis 1250 mm | Zu bevorzugen |
| Stufig verstellbar | Gegenüber stufenloser Verstellung nachrangig |
| Feste Höhe | Gegenüber stufenloser Verstellung nachrangig |
Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) ergänzt diese Vorgaben im Anhang 6.1. Der Arbeitgeber muss sicherstellen, dass die Bildschirmarbeit durch andere Tätigkeiten oder regelmäßige Erholzeiten unterbrochen wird. Zusätzlich müssen Beschäftigte ausreichend Platz für Haltungswechsel und Bewegung haben. Für die Auswahl eines Aufsatzes bedeutet das, dass auf der Arbeitsfläche genug Raum für Bewegung vorhanden sein muss, damit der Wechsel zwischen Sitz- und Steh-Position tatsächlich möglich ist.
Quelle: Haufe, Autorin Dipl.-Ing. Cornelia von Quistorp.

Wie oft zwischen Sitzen und Stehen wechseln?
Die verfügbaren Unterlagen nennen keinen festen Wechselrhythmus in Minuten oder Stunden. Die Wechselhäufigkeit richtet sich nach Aufgabe, Körpergefühl und Arbeitsalltag.
Wechselrhythmus im Tagesablauf
Ein Wechsel funktioniert am besten, wenn er an Tätigkeiten gekoppelt ist. Konzentrationsintensive Aufgaben lassen sich im Sitzen erledigen, Telefonate, Lesen oder kurze Abstimmungen eignen sich für die Stehphase.
| Tätigkeit | Passende Position | Begründung |
|---|---|---|
| Schreiben, Auswerten, konzentriertes Arbeiten | Sitzen | Stabile Position für längere Aufmerksamkeit |
| Telefonate, Videoabstimmungen ohne Notizen | Stehen | Wechsel ohne Mehraufwand |
| Lesen von Dokumenten | Stehen oder Sitzen | Je nach Aufgabenlänge wählbar |
Wechseln Sie bevorzugt an natürlichen Übergängen, etwa zwischen zwei Aufgaben oder nach einem Termin, statt sich starr an einen Zeitplan zu halten.
Dauer einzelner Stehphasen und schrittweise Steigerung
Beginnen Sie mit kurzen Stehphasen und verlängern Sie diese erst, wenn Ihr Körper sich daran gewöhnt hat. Dieses Vorgehen kann helfen, eine Überlastung der Beine und des Rückens in den ersten Tagen zu vermeiden.
- Schrittweise Steigerung: Verlängern Sie die Stehphasen nur in kleinen Schritten, nicht sprunghaft.
- Beobachten Sie, wie Ihr Körper in den Pausen und am Ende des Arbeitstags reagiert.
- Behalten Sie einen Sitzanteil bei. Stehen ersetzt das Sitzen nicht vollständig, sondern ergänzt es.
Anzeichen für zu lange Stehphasen
Stehphasen sind zu lang, wenn einer der folgenden Hinweise auftritt:
- Schwere oder geschwollene Beine am Ende des Arbeitstags
- Rücken- oder Lendenbeschwerden, die während des Stehens zunehmen
- Schmerzen in Füßen, Knien oder Hüften
- Nachlassende Konzentration oder spürbare Ermüdung
Bei diesen Anzeichen beenden Sie die Stehphase und wechseln in eine andere Position. Kürzen Sie die nächste Stehphase, bis die Beschwerden verschwinden.
Aufsatz oder elektrischer Tisch?
Ein Aufsatz wird auf einen vorhandenen Schreibtisch gestellt, ein elektrischer Tisch ersetzt ihn. Welche Variante passt, hängt davon ab, wie viel Sie investieren wollen, wie viel Fläche vorhanden ist und ob der Arbeitsplatz von mehreren Personen genutzt wird.
| Kriterium | Schreibtischaufsatz | Elektrischer Tisch |
|---|---|---|
| Anschaffungskosten | In der Regel geringer, da nur die Zusatzfläche gekauft wird | In der Regel höher, da ein komplettes Möbelstück ersetzt wird |
| Folgekosten | Bei einem Defekt betrifft der Ersatz meist nur den Aufsatz | Bei einem Defekt kann der gesamte Tisch betroffen sein |
| Platzbedarf | Die Fläche des Bestandstischs bleibt erhalten, der Aufsatz belegt davon einen Teil | Die Stellfläche des neuen Tischs muss in den Raum passen |
| Montageaufwand | Keine Möbelmontage, Aufsatz wird auf den Tisch gestellt | Aufbau einer neuen Konstruktion, Kabelführung wird neu geplant |
| Flexibilität | Lässt sich bei einem Umzug oder Arbeitsplatzwechsel mitnehmen | Ist meist fest an einem Platz eingerichtet |
Für wechselnde Nutzer und Arbeitsplätze eignet sich der Aufsatz, weil er unabhängig vom Tisch transportiert werden kann. Ein elektrischer Tisch bietet dagegen eine einheitliche Arbeitsfläche und kann bei gemeinsam genutzten Plätzen eine Höhenvoreinstellung erleichtern, sofern das Modell eine Speicherfunktion besitzt.
Tipps für Einstellung und Bewegung
Beim Stehen am Schreibtischaufsatz entscheidet vor allem, wie Sie Ihr Körpergewicht verteilen. Ein stabiler Stand entlastet Rücken und Beine. Eine starre, durchgedrückte Haltung ermüdet dagegen schneller, besonders wenn Sie über längere Zeit in derselben Position bleiben.
Fußstellung und Gewichtsverlagerung
Stellen Sie sich mit etwa hüftbreitem Abstand hin und verteilen Sie das Gewicht gleichmäßig auf beide Füße. Wechseln Sie die Gewichtsverlagerung regelmäßig von einem Bein auf das andere. Ein Fuß auf einer niedrigen Fußstütze verändert die Beckenposition. Wechseln Sie dabei regelmäßig die Seite. Halten Sie die Knie leicht gebeugt statt überstreckt, und stellen Sie den Bildschirm so ein, dass Sie den Kopf nicht nach vorn schieben müssen.
Schuhwerk und Anti-Ermüdungsmatte
Flache Schuhe mit dämpfender, stabiler Sohle eignen sich besser als hohe Absätze oder Modelle ohne Halt im Fersenbereich. Eine Anti-Ermüdungsmatte federt den Stand ab und begünstigt kleine Bewegungen der Füße. Eine Matte sollte so groß sein, dass Sie innerhalb der Standfläche die Position verändern können. Achten Sie darauf, dass sie nicht verrutscht und die Kante nicht zur Stolperfalle wird.
Kleine Bewegungen während der Stehphase
Kurze Bewegungen lassen sich direkt in die Arbeit einbauen. Die folgende Übersicht zeigt einfache Übungen und ihre jeweilige Wirkung:
| Bewegung | Wirkung im Stehen |
|---|---|
| Gewicht zwischen beiden Füßen verlagern | Vermeidet einseitige Belastung |
| Fußwechsel auf die Fußstütze | Verändert die Beckenposition |
| Leichte Kniebeugen | Aktiviert Oberschenkel- und Gesäßmuskulatur |
| Zehenstand und Zurückrollen | Aktiviert die Wadenmuskulatur |
| Schultern kreisen | Lockert Nacken- und Schulterbereich |
Führen Sie jede Bewegung langsam und kontrolliert aus. Ein Zehenstand oder eine Kniebeuge sollte nie mit Schmerzen verbunden sein. Bei anhaltenden Beschwerden ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll.