Nach den ausgewerteten Quellen ist Beineübereinanderschlagen am Schreibtisch für gesunde Menschen nicht eindeutig schädlich. Belegt sind vor allem eine kurzzeitige Abklemmung von Nerven und ein Blutdruckanstieg, der in mehreren Studien beobachtet wurde, wenn ein Knöchel auf dem gegenüberliegenden Knie liegt. Ein Zusammenhang mit Krampfadern ist nicht nachgewiesen, aber auch nicht ausgeschlossen.
Ist Beineübereinanderschlagen am Schreibtisch wirklich schädlich?
Die Studienlage lässt sich nur sinnvoll lesen, wenn drei Ebenen getrennt werden: belegte Effekte, Vermutungen und Einzelmeinungen von Fachleuten. Eine Einzelmeinung ersetzt keine Untersuchung, und eine Vermutung ist noch kein Nachweis.
| Ebene | Aussage | Quelle |
|---|---|---|
| Belegt | Nerven können beim Übereinanderschlagen kurzzeitig abgeklemmt werden. | SRF, 2026 |
| Einzelmeinung | Die Orthopädin Caroline Skuhr hält es für gesunde Menschen eher nicht für schädlich, solange man es nicht übertreibt. | FITBOOK, 2026 |
| Einzelmeinung | Der Physiotherapeut Ron Clijsen sieht Taubheit als klares Signal, die Position zu wechseln, und rät, die Beine am besten gar nicht zu überschlagen. | SRF, 2026 |
| Einzelmeinung | Der Urologe Dr. Christoph Pies gibt für Männer Entwarnung. | FITBOOK, 2026 |
Einordnung der Einzelmeinungen
Die Aussage von Dr. Christoph Pies ist die Einschätzung eines einzelnen Experten. Die ausgewerteten Quellen nennen dafür keine Studie als Grundlage, deshalb sollte sie nicht als allgemein belegter Befund gelesen werden. Skuhr und Clijsen stimmen in der Richtung nicht überein: Skuhr sieht die Haltung bei Gesunden als eher unbedenklich, Clijsen rät ganz davon ab. Bei Wirbelsäulenproblemen oder Gefäßrisiken wie Schwangerschaft, Hormoneinnahme oder Rauchen hält Skuhr das Dauersitzen in dieser Haltung nicht für ideal.
Grenzen der Datenlage
Zu Muskelspannung, Becken- und Kniemechanik sowie zu Zeitspannen enthalten die ausgewerteten Quellen keine Angaben. Eine Aussage darüber, ab welcher Dauer die Haltung problematisch wird, ist daher nicht möglich. Wer die Haltung dennoch nutzt, sollte bei Taubheit die Position wechseln; bei Wirbelsäulenproblemen oder Gefäßrisiken ist nach Skuhr Dauersitzen in dieser Haltung nicht ideal. Fehlende Taubheit belegt jedoch nicht, dass die Haltung unbedenklich ist.

Was passiert im Körper bei überschlagenen Beinen?
Beim Übereinanderschlagen der Beine können Nerven im Bein kurzzeitig abgeklemmt werden.
Kurzzeitige Abklemmung der Nerven
Das Übereinanderschlagen der Beine kann Nerven kurzzeitig abklemmen. Die Quellen belegen eine kurzzeitige Abklemmung von Nerven; ob und wie schnell sie nach dem Ende der Haltung nachlässt, ist nicht belegt.
Einschlafen des Beins als Warnsignal
Wenn das Bein einschläft, kann das mit einer solchen Abklemmung zusammenhängen. Das Einschlafen des Beins zeigt sich laut Quelle als Taubheit. Der Physiotherapeut Ron Clijsen bezeichnet die Taubheit als klares Signal, dass Sie die Position ändern sollten. Er rät, die Beine am besten gar nicht zu überschlagen.
Ungeklärte Nachwirkungen
Ob die Abklemmung nach dem Ende der Haltung nachlässt, ist nach den vorliegenden Quellen nicht belegt. Es ist also offen, wie lange ein Kribbeln oder eine Taubheit nach dem Aufstehen oder Umsetzen anhalten kann. Eine verlässliche Zeitspanne lässt sich daraus nicht ableiten. Für eine verlässliche Einschätzung bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie ärztlichen Rat einholen.
Nerven, Venen, Blutdruck: Was ist belegt?
Beim Blutdruck nennt die Quelle mehrere Studien. Laut SRF zeigen mehrere Studien, dass der Blutdruck steigt, wenn ein Knöchel auf dem gegenüberliegenden Knie liegt. Die Quelle nennt weder Messwerte noch die Dauer der Haltung, ab der dieser Effekt auftritt. Sie können also nicht ableiten, wie stark der Anstieg bei Ihnen am Schreibtisch ausfällt.
Für Blutdruckmessungen gibt es eine konkrete Vorgabe: Eine niederländische Studie empfiehlt, beide Füße flach auf dem Boden abzustellen. Diese Empfehlung bezieht sich auf die Messbedingung. Sie ist keine allgemeine Aussage über jede Sitzhaltung im Büro.
Bei Krampfadern ist die Datenlage eindeutig begrenzt. Laut SRF gibt es keine wissenschaftliche Studie, die überschlagene Beine allein mit Krampfadern verknüpft. Ein Zusammenhang ist damit nicht ausgeschlossen, aber er ist nicht belegt.
| Aussage | Belegstand | Quelle |
|---|---|---|
| Blutdruck steigt, wenn ein Knöchel auf dem gegenüberliegenden Knie liegt | Mehrere Studien zeigen dies | SRF, 2026 |
| Blutdruck korrekt messen: beide Füße flach auf dem Boden | Von einer niederländischen Studie empfohlen | SRF, 2026 |
| Krampfadern allein durch überschlagene Beine | Laut Artikel gibt es keine Studie dazu | SRF, 2026 |
Wenn Sie Ihren Blutdruck am Arbeitsplatz oder im Homeoffice messen, sitzen Sie daher mit beiden Füßen auf dem Boden und ohne überschlagene Beine.
Rücken und Becken: Was die Quellen nicht belegen
Die Annahme, übereinandergeschlagene Beine verschöben das Becken und belasteten die Wirbelsäule, lässt sich mit dem vorliegenden Faktenblatt nicht bestätigen. Belegt sind vor allem Auswirkungen auf die Nerven. Zur Beckenstellung enthalten die Quellen keine Aussage. Die folgende Tabelle trennt belegte Aussagen von offenen Punkten.
| Annahme | Stand der Belege |
|---|---|
| Die Haltung verschiebt das Becken | Keine Angaben in Faktenblatt und Quellen |
Die Orthopädin Caroline Skuhr hält überschlagene Beine bei gesunden Menschen eher nicht für schädlich, solange man es nicht übertreibt. Bei Wirbelsäulenproblemen oder Gefäßrisiken wie Schwangerschaft, Hormoneinnahme oder Rauchen sei Dauersitzen in dieser Haltung laut ihr nicht ideal. Der Befund ist also nach Personengruppe differenziert.
Der Urologe Dr. Christoph Pies gibt für Männer Entwarnung. Diese Einzelmeinung stammt von einem einzelnen Experten und stellt keinen Konsens dar.

Wie sitzt man am Arbeitsplatz besser?
Eine sinnvolle Vorgehensweise ist, zuerst den Stuhl einzustellen und den Tisch, den Bildschirm und die Armauflage daran auszurichten. Diese Hinweise sind praktische Empfehlungen und stammen nicht aus den ausgewerteten Quellen.
Stuhl- und Tischhöhe zueinander einstellen
Stellen Sie die Sitzhöhe so ein, dass beide Füße vollflächig auf dem Boden oder auf einer Fußstütze stehen. Die Sitzfläche sollte so tief eingestellt sein, dass Sie mit dem Rücken an der Lehne sitzen, ohne dass die Vorderkante der Sitzfläche in die Kniekehlen drückt. Die Lehne soll den unteren Rücken stützen.
Danach richten Sie den Tisch auf diese Sitzposition aus. Bei einer festen Tischplatte passen Sie zuerst den Stuhl an und prüfen anschließend, ob die Unterarme bequem aufliegen. Liegt die Tischplatte zu hoch, werden die Schultern hochgezogen. Liegt sie zu tief, neigen Sie den Oberkörper nach vorn.
Bildschirmhöhe und Blickwinkel festlegen
Die Blickachse bestimmt die Höhe des Bildschirms. Die obere Bildschirmkante sollte etwa auf Augenhöhe liegen, sodass Sie leicht nach unten schauen. Steht der Bildschirm zu tief, entsteht eine nach vorn geneigte Kopfhaltung. Steht er zu hoch, müssen Sie den Nacken dauerhaft strecken.
Stellen Sie den Monitor frontal vor sich auf und nicht seitlich versetzt, damit der Kopf nicht dauerhaft gedreht bleibt. Bei Laptops kann die Haltung unbequem sein, wenn das Gerät flach auf dem Tisch liegt. Eine externe Tastatur und Maus oder ein Laptopständer heben den Bildschirm an, ohne dass Sie den Hals beugen müssen. Der Abstand sollte so gewählt sein, dass Sie die Schrift scharf lesen können, ohne sich nach vorn zu lehnen.
| Einstellung | Prüfpunkt | Ziel |
|---|---|---|
| Sitzhöhe | Füße | vollflächig auf dem Boden oder einer Fußstütze |
| Sitztiefe | Kniekehle | kein Druck durch die Vorderkante |
| Bildschirm | obere Kante | etwa auf Augenhöhe |
| Unterarme | Schultern und Ellenbogen | Ellenbogen etwa rechtwinklig, Schultern entspannt und nicht hochgezogen |
Armauflagen und Unterarmhaltung am Tisch
Die Unterarmauflage entlastet Schultern und Nacken. Im Sitzen sollte der Ellenbogen etwa rechtwinklig angewinkelt sein, und die Schultern bleiben unten. Die Hände liegen auf Höhe der Tastatur, und das Handgelenk bleibt gerade, ohne abgeknickt zu sein.
Die Armlehnen des Stuhls sollten so eingestellt sein, dass sie den Unterarm tragen, ohne die Schultern anzuheben. Sind die Lehnen zu breit für die Tischkante, rücken Sie den Stuhl näher an den Tisch, damit die Lehnen unter die Platte passen. Lassen sich die Armlehnen nicht an die Tischhöhe anpassen, nutzen Sie die Tischplatte als Auflage und prüfen Sie, ob die Schultern dabei entspannt bleiben.
Was sagt die Arbeitsstättenverordnung?
Nach Anhang 6.1 der ArbStättV muss der Arbeitgeber sicherstellen, dass Bildschirmtätigkeiten durch andere Tätigkeiten oder regelmäßige Erholungszeiten unterbrochen werden. Beschäftigte brauchen außerdem ausreichend Raum für wechselnde Arbeitshaltungen. Diese Anforderungen betreffen also nicht nur das Möbelstück, sondern auch den Ablauf des Arbeitstags und die Fläche, die Bewegung zulässt.
Für die Arbeitsfläche selbst ist die ASR A6 maßgeblich. Sie bevorzugt stufenlos höhenverstellbare Arbeitsflächen mit einem Verstellbereich von 650 bis 1250 mm. Eine Pflicht zu genau dieser Bauart leitet sich daraus jedoch nicht ab: Die Regel ist keine alleinige Pflichtlösung.
Die Unterscheidung hat praktische Folgen. Die Vorgabe beschreibt ein Ziel, nämlich einen Arbeitsplatz, an dem Haltungswechsel möglich sind. Die höhenverstellbare Platte ist der bevorzugte Weg dorthin, aber nicht der einzig zulässige. Ob eine Einzellösung den Anforderungen genügt, hängt vom konkreten Arbeitsplatz ab.
| Regelwerk | Aussage laut Faktenblatt | Quelle |
|---|---|---|
| ArbStättV, Anhang 6.1 | Unterbrechung der Bildschirmarbeit durch andere Tätigkeiten oder Erholungszeiten; ausreichend Raum für wechselnde Arbeitshaltungen | Haufe, 2026 |
| ASR A6 | Bevorzugt stufenlos höhenverstellbare Arbeitsflächen, 650 bis 1250 mm | Haufe, 2026 |
| DIN EN ISO 6385 | Fordert laut Haufe die Sitz-Steh-Dynamik | Haufe, 2026 |
Was die Sitz-Steh-Dynamik im Einzelnen umfasst, geht aus dem Faktenblatt nicht hervor.
Welche Übungen helfen zwischendurch?
Kurze Bewegungseinheiten während der Arbeit können dazu beitragen, dass die Beine nicht längere Zeit in derselben Position verharren. Die folgenden Übungen sind praktische Anregungen; Faktenblatt und Quellen enthalten dazu keine Wirksamkeitsbelege.
| Übung | Zielbereich | Ausführung |
|---|---|---|
| Positionswechsel | Beine und Durchblutung | Haltung ändern, Füße flach abstellen, Beine kurz ausstrecken |
| Wadenübung im Sitzen | Unterschenkel | Fersen heben und absenken, danach Zehen anheben |
| Dehnung Hüfte und Oberschenkel | Hüfte, Oberschenkelrückseite | Im Stehen ein Bein nach hinten setzen, Becken nach vorne schieben |
Positionswechsel bei Taubheit und Kribbeln
Ändern Sie die Haltung, stellen Sie die Füße flach ab, strecken Sie die Beine kurz aus und stehen Sie auf, sofern es Ihr Arbeitsablauf zulässt.
Wadenübungen im Sitzen
Die Wadenmuskulatur lässt sich am Schreibtisch unauffällig aktivieren. Heben Sie die Fersen vom Boden, sodass Sie auf den Fußballen stehen, und senken Sie sie langsam wieder ab. Danach heben Sie die Zehen an und setzen die Fußsohle zurück auf den Boden. Bewegen Sie sich ohne Schwung. Eine feste Anzahl von Wiederholungen oder eine Haltedauer ist für diese Übung nicht belegt, daher orientieren Sie sich an Ihrem Empfinden.
Dehnung von Hüfte und Oberschenkel
Für die Oberschenkelrückseite setzen Sie sich aufrecht an die vordere Stuhlkante, strecken ein Bein nach vorne aus, legen die Ferse auf den Boden und neigen den Oberkörper leicht nach vorne, bis Sie einen Zug spüren. Für die Hüftbeugemuskulatur stehen Sie auf, setzen ein Bein nach hinten und schieben das Becken leicht nach vorne, bis sich die Vorderseite der Hüfte dehnt. Wechseln Sie danach die Seite. Dehnen Sie nur bis zu einem angenehmen Zug und ohne Schmerzen.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich die Beine sofort lösen, wenn ein Bein einschläft?
Ja, der Physiotherapeut Ron Clijsen sieht die Taubheit als klares Signal, die Position zu wechseln. Die Nerven werden beim Übereinanderschlagen nur kurzzeitig abgeklemmt, ob das Gefühl danach nachlässt, ist allerdings nicht belegt.
Kann das Übereinanderschlagen der Beine Krampfadern verursachen?
Ein Zusammenhang ist nicht nachgewiesen, aber auch nicht ausgeschlossen. Laut SRF gibt es keine Studie, die das Übereinanderschlagen allein mit Krampfadern verknüpft.
Gilt die Haltung auch bei Rücken- oder Gefäßproblemen?
Die Orthopädin Caroline Skuhr hält die Haltung bei gesunden Menschen für eher unbedenklich, solange man sie nicht übertreibt. Bei Wirbelsäulenbeschwerden oder Gefäßrisiken wie Schwangerschaft, Hormoneinnahme oder Rauchen hält sie Dauersitzen in dieser Position nicht für ideal.