Handgelenk und Unterarm leiden bei Tastaturarbeit vor allem unter einseitigen, ständig wiederholten Bewegungen. Laut BARMER (2024) sind solche Bewegungen die Ursache von RSI-Erkrankungen (Repetitive Strain Injuries), zu denen auch das Mausarm-Syndrom gehört. Typische Beschwerden sind Ziehen oder Kribbeln in Hand, Handgelenk, Unterarm oder Fingern sowie Kraftverlust. Die Belastung entsteht also nicht durch einen einzelnen Vorgang, sondern durch die Summe gleichförmiger Abläufe.
Warum Handgelenk und Unterarm bei Tastaturarbeit leiden
Mechanismus einseitiger Wiederholungsbelastung
Beim Schreiben durchlaufen Finger, Handgelenk und Unterarm bei jedem Anschlag denselben Bewegungsablauf. Die Belastung wechselt dabei kaum, weil immer dieselben Muskeln und Sehnen beansprucht werden. Die BARMER nennt genau dieses Muster als Ursache: einseitige, ständig wiederholte Bewegungen. Auch kleine Bewegungen zählen dazu. Die Arbeiterkammer Wien empfiehlt, Handwechsel, Doppelklicks und häufige Mausradbewegungen möglichst zu meiden.
Risikofaktoren im Büroalltag
Laut AOK Baden-Württemberg (2024) erhöhen folgende Umstände das Risiko:
- Monotone Tätigkeiten, bei denen sich derselbe Ablauf ohne Wechsel wiederholt
- Zeitdruck
- Zu wenige Pausen
Frühe Beschwerden nur bei der Auslösebewegung
Die BARMER (2024) beschreibt, dass die Beschwerden anfangs nur bei der auslösenden Bewegung auftreten, etwa beim Tippen. Andere Tätigkeiten sind in dieser Phase oft unauffällig. Dadurch wird der Zusammenhang mit der Arbeit leicht übersehen.
Belastung von Sehnen und Unterarmmuskulatur
Die Muskeln des Unterarms steuern Handgelenk und Finger. Ihre Sehnen verlaufen über das Handgelenk zu den Fingern und werden bei jedem Tastenanschlag wiederholt beansprucht. Ohne Abwechslung bleiben diese Strukturen über längere Zeit gleichförmig belastet. Die BARMER empfiehlt deshalb Maus und Tastatur, die zur natürlichen Handhaltung passen, sowie einen häufigen Wechsel der Sitzhaltung. Die Arbeiterkammer Wien ergänzt eine passende Tischhöhe und den Verzicht auf eine kalte Handgelenkauflage.

Wie oft sollte man das Handgelenk dehnen?
Die ausgewerteten Quellen nennen keine feste Anzahl von Dehnübungen pro Tag. Maßgeblich ist vielmehr der Zeitpunkt: Dehnübungen sollten schon bei ersten Anzeichen einer Beschwerde eingesetzt werden, nicht erst, wenn sie stark geworden sind. Die Arbeiterkammer Wien empfiehlt dies ausdrücklich.
Dehnen bei ersten Anzeichen
Eine Dehnung ist angezeigt, sobald eines der typischen Warnzeichen auftritt:
- Ziehen oder Kribbeln in Hand, Handgelenk, Unterarm oder Fingern
- Kraftverlust in der Hand
- Beschwerden, die bei einer wiederkehrenden Bewegung wie dem Tippen auftreten
Das Dehnen lässt sich gezielt an den Momenten ausrichten, in denen die Beschwerden während der Tastaturarbeit spürbar werden.
Tägliche Gesamtdauer und Wiederholungen
Die Quellen geben weder eine Gesamtdauer noch eine Wiederholungszahl für Dehnübungen im Tagesverlauf an. Empfohlen wird, Dehnübungen als Teil der Pausen in den Arbeitstag einzubauen (BARMER, 2024). Wiederholungen richten sich nach dem persönlichen Befinden: Kehren Beschwerden zurück, nehmen Sie das Dehnen wieder auf.
Anpassung bei Vielnutzern der Tastatur
Bei hoher Tastatur- und Mausnutzung gilt dasselbe wie sonst: Dehnen Sie bei ersten Anzeichen, statt auf einen festen Rhythmus zu warten.
Handgelenkbeuger dehnen am Schreibtisch
Die Dehnung der Handgelenksbeuger entlastet Hand und Handgelenk nach längerer Tastaturarbeit. Laut Arbeiterkammer Wien (2024) gehört sie zu den Dehnübungen für Handgelenks- und Fingerbeuger, die sich direkt am Schreibtisch ausführen lassen. Die Übung braucht keine Hilfsmittel: Sie legen die Hände auf die Tischplatte, beugen sie sanft nach vorne und halten die Position etwa 15 Sekunden.
Die Übung umfasst drei Schritte, die Atmung läuft dabei normal weiter:
- Ausgangsstellung: Sitzen Sie aufrecht am Schreibtisch und legen Sie beide Handflächen flach auf die Tischplatte. Die Finger zeigen dabei zu Ihrem Körper.
- Bewegungsrichtung: Beugen Sie die Hände langsam und sanft nach vorne, bis Sie eine leichte Dehnung spüren. Die Bewegung darf nicht ruckartig erfolgen.
- Haltedauer: Halten Sie die Position etwa 15 Sekunden. Atmen Sie dabei normal weiter, statt die Luft anzuhalten.
Die folgende Übersicht fasst die Ausführung zusammen:
| Element | Ausführung |
|---|---|
| Ausgangsstellung | Handflächen flach auf dem Tisch, Finger zeigen zum Körper |
| Bewegung | Hände sanft nach vorne beugen, ohne Schmerzen |
| Haltedauer | etwa 15 Sekunden |
| Atmung | normal weiteratmen |
Führen Sie die Dehnung ohne Schmerzen aus. Nach dem Halten lösen Sie die Spannung langsam und bringen die Hände zurück in die Ausgangsstellung. Die Übung lässt sich mehrmals am Arbeitstag wiederholen, etwa in den Pausen zwischen Textarbeiten.
Handgelenkstrecker dehnen: so geht es
Die Handgelenkstrecker liegen auf der Rückseite des Unterarms. Beim Tippen und Mausen werden sie ständig angespannt, meist ohne dass Sie es bemerken. Die Arbeiterkammer Wien nennt für diese Muskelgruppe eine Dehnung, bei der der Arm nach vorne gestreckt wird, die Handfläche nach außen zeigt und die andere Hand die Finger Richtung Ellbogen zieht.
Die Ausführung läuft in vier Schritten ab:
| Schritt | Ausführung |
|---|---|
| 1 | Den zu dehnenden Arm vor dem Körper nach vorne strecken, Ellbogen gestreckt. |
| 2 | Die Handfläche vom Körper weg nach außen drehen, die Finger zeigen nach unten. |
| 3 | Mit der anderen Hand die Finger greifen und sanft Richtung Ellbogen ziehen. Der Gegenzug kommt von der anderen Hand, nicht vom Handgelenk selbst. |
| 4 | Die Zugstärke moderat halten: Die Dehnung soll an der Unterarmrückseite spürbar sein, aber nicht schmerzen. |
Die Schultern bleiben während der Übung locker, und der Zug erfolgt gleichmäßig statt ruckartig. Wer das Handgelenk zusätzlich abwinkelt, sollte den Zug nur so weit erhöhen, wie es angenehm bleibt. Die Übung eignet sich für Personen, die längere Zeit am Computer arbeiten.
Die Dehnung ist für die Gegenseite genauso auszuführen. Dabei ist darauf zu achten, dass beide Seiten gleich behandelt werden, da die Belastung beim Mausen meist einseitig auftritt.

Welche Lockerungsübungen helfen zwischendurch?
Für kurze Unterbrechungen eignen sich Bewegungen, die ohne Hilfsmittel und ohne Wechsel des Arbeitsplatzes auskommen. Die AOK Baden-Württemberg nennt als erste Übung das Ausschütteln von Händen und Armen, das Sie mehrmals pro Stunde ausführen können. Dabei lösen Sie die Anspannung in Fingern, Handgelenken und Unterarmen, die beim Tippen und Klicken über längere Zeit gehalten wird. Die Lockerung passt zwischen zwei Arbeitsphasen, etwa nach dem Versenden einer E-Mail oder vor dem Wechsel zu einer neuen Aufgabe.
Ergänzend folgt die Faustübung. Sie umfasst vier Bewegungen, die Sie nacheinander ausführen:
| Schritt | Bewegung | Ausführung |
|---|---|---|
| 1 | Faust machen | Finger zur Handfläche einkrümmen |
| 2 | Faust halten | Position kurz beibehalten |
| 3 | Faust öffnen | Hand vollständig strecken |
| 4 | Finger spreizen | Finger so weit wie möglich auseinanderziehen |
Laut AOK Baden-Württemberg lassen sich die Schritte als Folge etwa zehnmal wiederholen. Die Übung bringt einen Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung in den Arbeitsablauf.
Die Unterbrechungen sind vor allem bei monotonen Tätigkeiten sinnvoll. Die BARMER empfiehlt Pausen und kleine Dehnübungen, um solche gleichförmigen Abläufe zu unterbrechen. Gerade unter Zeitdruck fallen Pausen häufig aus, weshalb sich kurze Lockerungen gut in den Arbeitsablauf einbauen lassen.
Die Arbeiterkammer Wien rät außerdem, Computerarbeit mit anderen Tätigkeiten abzuwechseln. Kurze Lockerungen ersetzen keine längere Pause, sie ergänzen sie zwischen den einzelnen Arbeitsphasen.
Wie gestalte ich Tastatur und Maus handgelenkschonend?
Ein neutrales Handgelenk bleibt in gerader Linie zum Unterarm, ohne abgeknickt, überstreckt oder dauerhaft seitlich gedreht zu sein. Die BARMER empfiehlt, Maus und Tastatur so zu wählen, dass sie zur natürlichen Handhaltung passen. Achten Sie deshalb auf die Form der Geräte und stellen Sie sie so auf, dass die Hand keine Extremstellung einnehmen muss.
Tastenkürzel statt Maus
Jeder Griff zur Maus unterbricht den Tastaturfluss und erzwingt zusätzliche, wiederholte Bewegungen. Die BARMER nennt Tastenkürzel ausdrücklich als Mittel zur Vorbeugung. Lernen Sie zuerst die Befehle, die Sie am häufigsten brauchen, etwa zum Kopieren, Einfügen, Speichern oder Wechseln zwischen Fenstern. Eine kurze Liste am Monitor erleichtert das Einprägen.
Doppelklick, Mausrad und Handwechsel meiden
Die Arbeiterkammer Wien (Österreich) rät, Doppelklicks und das Mausrad möglichst zu vermeiden. Ersetzen Sie einen Doppelklick durch einen einfachen Klick mit anschließender Tastenbestätigung. Scrollen Sie über Tasten wie Bild auf und Bild ab, statt das Rad wiederholt zu drehen.
Auch Handwechsel nennt die Arbeiterkammer Wien als Bewegung, die Sie möglichst meiden sollten.
Tischhöhe und Handauflage
Die Tischhöhe sollte so gewählt sein, dass Tastatur und Maus ohne Hochziehen der Schultern erreichbar sind. Die Arbeiterkammer Wien nennt eine passende Tischhöhe als Präventionsmaßnahme. Für die Handauflage gilt: Sie sollte nicht kalt sein. Kalte Oberflächen wie Metallränder oder kalter Kunststoff sind ungeeignet, eine Auflage aus Stoff oder Schaumstoff ist angenehmer.
Wann ist ein Arztbesuch sinnvoll?
Laut BARMER (2024) ist ein Arztbesuch bereits bei leichten Beschwerden sinnvoll. Sie müssen also nicht warten, bis die Beschwerden den Arbeitsalltag stark einschränken. Eine Abklärung lohnt sich, solange sich die Beschwerden noch auf die Tätigkeit am Computer beschränken.
Als Entscheidungshilfe gilt: Wenn Beschwerden in Hand, Handgelenk, Unterarm oder Fingern wiederkehren und sich durch Pausen und Dehnübungen nicht spürbar bessern, sollten Sie ärztlich nachsehen lassen. Dasselbe gilt, wenn die Beschwerden über die Arbeitszeit hinaus bestehen bleiben oder die Arbeit mit Stift, Maus oder Tastatur zunehmend schwerfällt.
Welche Fachrichtung ist die richtige Anlaufstelle?
Die erste Ansprechperson ist meist der Hausarzt. Er klärt die Beschwerden grob ab und entscheidet, ob eine Überweisung nötig ist. Die übrigen Fachrichtungen kommen je nach Befund in Betracht:
| Anlaufstelle | Geeignet, wenn | Typische Aufgabe |
|---|---|---|
| Hausarzt | Erstes Auftreten leichter Beschwerden | Erste Einordnung, ggf. Überweisung |
| Orthopäde | Beschwerden an Gelenken, Muskeln oder Sehnen des Arms bleiben bestehen | Untersuchung des Bewegungsapparats |
| Handchirurg | Beschwerden bleiben trotz konservativer Maßnahmen bestehen oder der Befund ist unklar | Spezialisierte Abklärung der Hand |
| Betriebsarzt | Beschwerden stehen erkennbar mit dem Arbeitsplatz in Zusammenhang | Beratung zur Gestaltung des Arbeitsplatzes |
Der Betriebsarzt ist für Ihren Arbeitsplatz besonders relevant, weil er die Arbeitsbedingungen einbezieht. Ob und in welchem Umfang Ihr Arbeitgeber eine betriebsärztliche Betreuung bereitstellt, sollten Sie intern erfragen.